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"Moorschwestern" von Petra Hucke

In dem Roman "Moorschwestern" von Petra Hucke geht es um eine renommierte Ärztin, die sich im Verlauf der Geschichte immer weiter in einem Netz aus Realität und Wahn zu verstricken scheint.


Die Autorin konnte sich nach eigener Aussage nicht hundertprozentig auf das Genre festlegen. Man könnte den Roman zwischen "Thriller" und "Fantasy" ansiedeln. 
Die Handlung ist in sich abgeschlossen, wenngleich am Ende Dinge ungeklärt bleiben.


Die Geschichte beginnt nicht mit der Protagonistin, sondern mit einer jungen Frau aus dem Mittelalter, die in den Mooren zu Hause ist. Dort verweilt die Autorin jedoch nur kurz und kehrt dann in die Gegenwart zurück. Der Leser lernt Maja Lindgren kennen, eine Neonatologin, die führend auf ihrem Gebiet ist und sich, ausgelöst durch einen besonders schwierigen Fall, bereits zu Beginn immer wieder in Gedanken verliert. Man erfährt viel über ihren Alltag und die Personen, mit denen sie arbeitet. Im Krankenhaus lernt Maja Gudrun kennen, ein neues Mitglied der Klinikleitung. Aus ihrem anfänglichen Misstrauen ihr gegenüber entsteht eine Freundschaft, die sich später zu einer engen Vertrautheit entwickelt. Maja bemerkt jedoch lange nicht, dass niemand außer ihr Gudrun wahrzunehmen scheint. 
Petra Hucke ist es gelungen, einen Ausgleich zwischen Spannung und ruhigen Passagen zu schaffen. Das Erzähltempo ist angemessen, die Handlungen der Charaktere sind nachvollziehbar. 

Der genannte "Fantasy"-Eindruck entsteht durch das Auftauchen der geheimnisvollen Gudrun und deren Vergangenheit. Die Verbindung, die Maja zu ihr hat, geht weit über einfache Tagträume hinaus. Es ist beinahe wie eine genetische Verbindung, selbst noch, als Maja den Verstand zu verlieren scheint und sich gezwungen sieht, psychologische Hilfe anzunehmen. Erst als ihr Genesungsprozess voranschreitet, weiht ihre Mutter sie in ein lang gehütetes Familiengeheimnis ein. Gudrun, die von Majamittlerweile als Ursache ihrer Psychosen angesehen wird, soll nun doch ein Teil von ihr sein. 
Das Ende wird an dieser Stelle nicht verraten. Der Roman sollte unbedingt bis zum Schluss gelesen werden, denn der Autorin ist es auf wundervolle Art und Weise gelungen, alles logisch miteinander zu verbinden. Da stört es auch nicht, dass noch ein oder zwei Dinge offen bleiben. Durch die bereits genannte Spannung entsteht die Verbindung zu anderen Werken, die deutlicher dem Genre "Thriller" zugeordnet werden; überraschende Wendungen und waghalsige, teils kriminelle und lebensgefährdende Aktionen unterstreichen diese These.

Petra Hucke stammt gebürtig aus Düsseldorf und lebt heute in München. Sie ist als Übersetzerin und Lektorin tätig und hat neben "Moorschwestern" bereits einen zweiten Roman im Eigenverlag veröffentlicht.

Bei dem Roman handelt es sich um ein Debüt, was aber zu keinem Zeitpunkt als solches angesehen werden sollte. Zwar hat sich die Autorin gegen die Verwendung von Anführungszeichen entschieden, das ändert aber nichts an der guten Qualität des Inhalts. Wer sich für eine Mischung aus "Thriller" und "Fantasy" interessiert, sollte diese Geschichte nicht auslassen. Auch Freunde der historischen Elemente kommen hier auf ihre Kosten. 

Dieses Debüt ist mindestens vier, wenn nicht sogar fünf Sterne wert.

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